Wie schnell wächst Brokkoli auf dem Mond? Kinder an der Hector Kinderakademie Schallstadt gehen im Kurs „Pflanzen im All – Dein eigenes Weltraum-Abenteuer“ dieser und vielen weiteren Fragen nach und erforschen Pflanzenwachstum unter Weltraumbedingungen. Kursleiter und Weltraumexperte Markus Paul berichtet, dass sowohl NASA als auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt Interesse an den Ergebnissen zeigen. Besonders bemerkenswert: Markus Paul stand bereits im Austausch mit Wissenschaftler*innen der US-Raumfahrtbehörde und plant, ihnen einen Forschungsbericht aus dem Kurs mit den Kindern zukommen zu lassen.
Doch wie sehen die Experimente der Kinder konkret aus, wie funktioniert der Kurs – und was macht ihn so besonders? Ein Interview mit Kursleitung Markus Paul.
Was genau erforschen die Kinder der Hector Kinderakademie Schallstadt in Ihrem Kurs?
Markus Paul: Die Kinder beschäftigen sich in meinem Online-Kurs mit der Frage, wie Pflanzen unter extremen Bedingungen wachsen können – zum Beispiel auf Mondregolith oder unter den Bedingungen der Raumfahrt. Dabei untersuchen sie Faktoren wie Licht, Wasser, Nährstoffe und Bodenbeschaffenheit und nähern sich so echten Fragestellungen aus der Raumfahrtforschung.
Wie läuft eine typische Kurseinheit ab, wenn die Kinder als Forscherinnen und Forscher arbeiten?
Markus Paul: Eine Einheit beginnt meist mit einer Forschungsfrage. Die Kinder entwickeln dann eigene Hypothesen, planen kleine Experimente und führen diese selbstständig durch. Sie lassen Gurkensamen keimen, pflanzen sie in Mond- und Marsregolith und untersuchen ihr Wachstum unter künstlichem Licht und mit unterschiedlichen Wassermengen. Anschließend werden die Ergebnisse und Beobachtungen in einem Weltraum-Tagebuch dokumentiert, ausgewertet und gemeinsam diskutiert – ganz wie in einem echten Forschungsteam.
Was brauchen denn die Kinder, um ihr eigenes kleines Forschungslabor zu Hause einzurichten?
Markus Paul: Im Grunde reichen einfache Mittel: kleine Pflanzgefäße, Erde oder alternative Substrate, Samen, Lichtquellen und etwas zur Dokumentation wie ein Notizbuch. Wichtig ist vor allem die Neugier und die Bereitschaft, Dinge systematisch zu beobachten und zu hinterfragen.
Grundschulkinder forschen in Ihrem Kurs an der Hector Kinderakademie Schallstadt an Fragen, die sonst Raumfahrtagenturen beschäftigen – wie gelingt das?
Markus Paul: Entscheidend ist, komplexe Themen verständlich und greifbar zu machen. Die Kinder arbeiten mit echten wissenschaftlichen Methoden, aber auf ihrem Niveau. Sie dürfen selbst ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen – genau das ist der Kern wissenschaftlichen Arbeitens.
Was war bisher das spannendste oder überraschendste Ergebnis im Rahmen des Kurses?
Markus Paul: Besonders spannend war für viele Kinder zu sehen, dass Pflanzen auch unter ungewöhnlichen Bedingungen keimen können – aber oft ganz anders wachsen als erwartet. Diese Abweichungen von der eigenen Hypothese sorgen regelmäßig für echte Aha-Momente.
Die Zusammenarbeit mit der NASA ist außergewöhnlich – wie haben die Kinder reagiert?
Markus Paul: Die Kooperation mit NASA hat die Kinder enorm motiviert. Für sie ist es etwas ganz Besonderes zu wissen, dass ihre Arbeit einen Bezug zur echten Raumfahrt hat. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und zeigt ihnen, dass ihre Ideen ernst genommen werden.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit Institutionen wie der NASA oder dem Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)?
Markus Paul: Partner wie die NASA und das Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt bringen fachliche Expertise in das Projekt ein und sorgen dafür, dass die Experimente nah an der realen Forschung sind. Gleichzeitig erhalten die Kinder Einblicke in aktuelle wissenschaftliche Fragestellungen.
Was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht zu einem besonderen Beispiel für gelungene Begabtenförderung?
Markus Paul: Das Projekt verbindet eigenständiges Arbeiten mit realer Forschung. Die Kinder werden nicht nur gefordert, sondern ernsthaft als junge Wissenschaftler*innen wahrgenommen. Diese Kombination aus Freiheit, Verantwortung und echtem Bezug zur Praxis ist besonders wirkungsvoll.
Was nehmen die Kinder aus dem Kurs für sich mit – fachlich und persönlich?
Markus Paul: Fachlich lernen sie wissenschaftliches Denken, Experimentieren und genaues Beobachten. Persönlich gewinnen sie an Selbstvertrauen, Ausdauer und Problemlösefähigkeit. Vor allem aber erleben sie, dass ihre Ideen etwas bewirken können – und das ist oft die wichtigste Erkenntnis.

